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Gott im Alltag erleben

Jörg Ahlbrecht | 27. Mai 2012 | 2012 | Schlagworte: Alltag , Glaube

Das System "Glaube"

Eingestiegen ist Jörg Ahlbrecht mit einem Vergleich von Eheberatung und Gottesbeziehung. Die Gemeinsamkeiten liegen in ihrem Vorhandensein. Es kann sein, dass nach außen zwar noch eine Beziehung besteht. Aber innerlich sind die Faszination und das Feuer längst abgeflaut und verschwunden. Bei einem Christen kann es sein, dass er zwar noch in den Sonntags-Gottesdienst geht und eigentlich auch die Bibel gut findet. Dies ist allerdings alles nur ein äußeres System und das, was den Glauben ausmacht, ist längst verloren. Alles ist nur noch Pflicht und keine Kür mehr. Dann geht es nur noch darum, sich an die Regeln zu halten, um dann in den Himmel zu kommen. Man fragt nur noch: Was darf ich machen, dass es gerade noch in Ordnung ist? Theoretisch weiß man viel, hält es für wahr und glaubt es auch. Trotzdem hat es keine Auswirkungen auf das eigene Leben. Dann ist der Glaube nicht mehr als ein System. Das Ziel ist, im System richtig zu handeln. Wenn ich mich an das halte, was für wahr gehalten wird, habe ich recht. Aber Jesus hat uns nicht aufgefordert: Gehet hin in alle Welt und habt recht. Das heißt wir sind nicht berufen, recht zu haben. Sondern wir sind berufen, zu lieben. Das ist so ähnlich, wenn ein Vater seine Tochter für ein Regenbogen-Bild lobt und sich freut, obwohl schon die ganze Küche mit solchen Bildern tapeziert ist und der Regenbogen ein braun-schwarzer Strich ist. Ein Mensch, der im System "Glauben" steckt, würde dies alles bemängeln und hätte damit auch eigentlich recht. Aber so funktioniert Beziehung nicht. Beziehungen basieren auf Liebe. Und Glaube ist auch eine Beziehung. Wenn Menschen im System "Glauben" einen Fehler machen, gibt es zwei Möglichkeiten damit umzugehen. Zum einen kann man versuchen, seinen Fehler zu vertuschen und wird somit zum Heuchler, der nach außen hin super gut aussieht, bei dem innen aber nichts mehr stimmt. Zum anderen kann man sich auch eine neue Wirklichkeit schaffen, indem man sagt, es gibt die Deluxe-Christen, die Super-Christen und die Standard-Christen. Und man selber gehört halt einfach nur zu den Standard-Christen, von denen man nicht erwarten kann, dass sie alles richtig machen. Allerdings sollte unser Ziel sein, ein immer mehr wachsendes Maß an Beziehung zu Gott im Alltag zu leben, immer näher zu Gott zu kommen. Das funktioniert, weil Gottes Reich nahe ist. Deswegen kann man auch jetzt schon mit ihm leben und nicht erst in der Ewigkeit. Das bedeutet Glauben im Alltag!

Das Prinzip "Beziehung"

Gott will keine erfüllten Pflichten, sondern gelebte Beziehungen. Man soll seine Kraft und Liebe anzapfen und aus ihr leben. Außerdem kann man aus dieser Motivation Jesus nachfolgen und ihm immer ähnlicher werden. Durch die jetzt schon gelebte Beziehung kann man lernen, was das ewige Leben bedeutet. So wird man vorbereitet, kann sich auf Gott und auf das Leben bei ihm einstellen und lässt sich dementsprechend umformen. Gott wird alle Menschen in sein ewiges Reich lassen, die durch Umformung einer Begegnung mit ihm selbst standhalten. Allerdings bedeutet Beziehung auch immer Risiko und man muss sich auf Veränderungen einlassen. Nun stellt sich die Frage: Wie kann ich das In-Beziehung-leben wieder lernen, wenn ich es verlernt habe? Ganz einfach durch Üben! Und das funktioniert zum Beispiel sehr gut mit Psalm 23.

Jeden Tag mit Psalm 23

Jörg Ahlbrecht ist anhand eines Tagesablaufes den Psalm 23 von König David durchgegangen und hat ganz praktisch verdeutlicht, wie man diesen Psalm in den Alltag integrieren kann.

Erste Station war der Moment, in dem man seinen Kopf vom Kissen hebt. Hier passt gleich Der HERR ist mein Hirte. Ich folge täglich jemandem oder etwas nach. Oft sind es nicht unbedingt die allerbesten Dinge. Aber David hat erkannt, dass es einen gibt, bei dem es sich wirklich lohnt, ihm nachzufolgen. Denn Gott weiß, was ich brauche und wo ich eben dies finden kann. Ohne ihn steht das alles in meiner eigenen Verantwortung. Das kann mich schon überfordern. Das heißt, ich muss jeden Tag neu entscheiden: Wem folge ich nach? Mir wird nichts mangeln. Ständig werden in mir Sehnsüchte von Werbung und meinem Umfeld geweckt, die aber nicht alle erfüllt werden können. Wenn ich diesen Sehnsüchten nachhänge, bin ich nur noch damit beschäftigt, möglichen Erfüllungen hinterher zu rennen. Allerdings kann ich mich auch entscheiden aus dieser Jagd auszusteigen. Denn ich bekomme alles, was ich brauch, bei Gott und muss keinen Mangel mehr leiden. Vor allem bekomme ich bei Gott Bestätigung, dass ich geliebt bin, so wie ich bin. Das ist die Tür zu einem freien Leben in echtem Frieden.

Als zweite Station folgte der Frühstückstisch. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele. Gott möchte meine Seele mit guten Dingen füllen und sie so lebendig machen. Er gibt mir Sinn, Freude, Frieden, Hoffnung, Anerkennung und vieles mehr. Schon am Frühstückstisch kann ich mir überlegen, was Gott mir schönes an diesem Tag geschenkt hat, sei es das Lächeln von meiner Schwester oder das Nutella-Brot. Es ist bereichernd, mit positiven Gedanken in den Tag zu starten und nicht mit negativen. Auch wenn einem sofort immer mehr Schlechtes einfällt.

Anschließend ging es mit irgendeinem Transportmittel zur Schule oder zur Arbeit. Passend dazu heißt es in Psalm 23: Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Gott führt mich auf dem richtigen Weg. Er will mir aber auch helfen, wenn ich mal vom Weg abgekommen bin. Das heißt, ich muss mein Vertrauen auf Gott setzen und ihm folgen. Und auch Gottes Name ist Programm: JHWH - Ich bin, der da ist, der ich bin, ... Gott ist der eine Gott, der da ist. Und auch Jesus hat einen besonderen Namen. Er bedeutet "Gott rettet". Das heißt, in Jesus kommt alles zusammen: Gott ist bei mir, will mich retten und mich leiten. Weil Gott hält, was er verspricht, und sein Name gilt, kann ich mich ihm bedingungslos anvertrauen.

Doch im Leben ist nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen. Es gibt auch Ängste, Sorgen und Dinge, die mir schwer fallen. Auch dafür hat David etwas geschrieben. Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Gott will dich genau da treffe, wo du Ängste durchlebst und dich Sorgen bedrücken. Denn auch wenn mich Gott führt, kann ich trotzdem in ein finsteres Tal kommen. Das gehört einfach zum Leben dazu. Aber es gibt zwei gute Nachrichten: Erstens ist das finstere Tal nicht das Ende, sondern nur eine Durchgangsstation. Und zweitens bin ich nicht alleine in diesem finsteren Tal. In schweren Situationen hilft es ungemein mit Gott zu reden und die persönliche Begegnung zu suchen. Dadurch kann ich mich festgehalten fühlen. Wenn uns Sorgen und Ängste bedrängen, kann ich diesen Vers beten und Gott hört ihn.

Am Ende des Tages kann man noch einmal alles Revue passieren lassen. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar. Jeder Tag hat sein Gutes. Diese Perlen kann ich sammeln, wenn ich mich am Ende des Tages frage: Was war heute gut? Wofür bin ich dankbar? Mit der Frage "Was will ich loslassen?", "Was war nicht so gut?", nehme ich Gottes Barmherzigkeit in Anspruch. Das alles kann ich Gott anvertrauen und bin trotzdem stets in Gottes Haus willkommen. Ich gehöre immer zu Gottes Familie und werde nicht einfach rausgeschmissen. Und jeder ist eingeladen, dazu zu gehören, keiner muss draußen bleiben.

So kann Psalm 23 mich durch meinen ganz normalen Alltag begleiten. Allerdings muss ich mich auch dazu entscheiden und Neues wagen. Bist du bereit?


Jörg Ahlbrecht

Referent bei Willow Creek Deutschland/Schweiz mit Leidenschaft für „Geistliches Wachstum“

Schlagworte

Alltag

Glaube