Ist der Glaube an einen Gott realistisch?

Jeder Christ hat persönliche und ganz individuelle Gründe zu glauben. Dass Gott real ist, steht für Christen außer Frage. Aber ist der Glaube an Gott wirklich realistisch? Dieser Frage nähert sich Dr. Thomas Christian Kotulla in seinem Seminar auf philosophische Weise an.


Die Philosophie beschäftigt sich meist zwar nicht direkt mit Gott, aber mit den großen Lebensfragen. Diese sind laut Immanuel Kant:

  1. Wer oder was ist der Mensch? (Besteht der Mensch z.B. nur aus Atomen? Oder hat er eine Seele?)
  2. Was können wir Menschen wissen? (Können wir aus eigener Kraft zu Erkenntnis gelangen oder brauchen wir eine Offenbarung?)
  3. Was sollen wir Menschen tun? (Nach welchen ethischen Werten sollen wir streben? Und sind wir Menschen für unser Handeln verantwortlich?)
  4. Was dürfen wir Menschen hoffen? (Gibt es z.B. berechtigte Hoffnung auf vollkommenes Glück?)

Diese Lebensfragen sind letztlich immer von der Frage und Suche nach Gott durchdrungen. So könnte man Frage 4 zum Beispiel ergänzen: Sind wir Menschen, nachdem wir gestorben sind, für immer tot oder gibt es ein Leben nach dem Tod?

Glaube ist aber nicht nur persönlich, sondern auch stark emotional geprägt. Wie sinnvoll ist es dann, sich rational mit der Gottes-Frage zu beschäftigen? Sehr sinnvoll. Denn wenn es Gott gibt, dann ist er es, der uns mit einem Verstand ausgestattet hat. Außerdem hat jeder gläubige Mensch von Zeit zu Zeit Zweifel. Diese Zweifel, die meist rational geprägt sind, sollte man nicht verdrängen, sondern sich ihnen stellen. Zudem wird jeder gläubige Mensch mit Fragen und Argumenten gegen den Glauben konfrontiert. Daher lohnt es sich, rational über den Glauben nachzudenken.

Was sagt die Bibel zum Thema Glaube und Verstand?

Laut der Bibel ist es so, dass einerseits der Glaube den Verstand übersteigt (Phil 4,7), andererseits der Verstand aber nicht im Widerspruch zum Glauben steht, sondern Bestandteil des Glaubens ist (Mt 22,37). Zudem heißt es in der Bibel, dass Christen Rede und Antwort stehen sollten, wenn jemand sie nach ihrem Glauben an Gott fragt (1 Petr 3,15).

Was heißt eigentlich “Gott”?

Nach allgemeiner Definition ist Gott „das höchste übernatürliche Prinzip oder Wesen“. „Übernatürlich“ bedeutet laut Dr. Kotulla, dass etwas nicht den Gesetzen der Natur unterliegt. Wenn Gott nicht den Gesetzen der Natur unterliegt, sondern diese potenziell beherrscht, dann wäre er allmächtig.

Ist die Existenz eines solchen übernatürlichen Gottes beweisbar?

Gott (natur)wissenschaftlich zu beweisen, ist nicht möglich. Denn etwas Übernatürliches gehorcht nicht den Gesetzmäßigkeiten der Natur und ist in seinem Verhalten daher unberechenbar. Etwas Übernatürliches ist deshalb auch nicht auf naturwissenschaftlichem Wege, nämlich durch wiederholte experimentelle Beobachtungen, nachweisbar.

Die Tatsache, dass ein übernatürlicher Gott nicht naturwissenschaftlich nachweisbar ist, heißt jedoch nicht, dass er nicht trotzdem existieren kann.

Die logische Beweisführung versucht daher, aus einer wahren Grundannahme herzuleiten, dass die Aussage „Gott existiert“ richtig ist. Als wichtigste Ansätze nennt Dr. Kotulla den kausalen und den teleologischen Gottesbeweis:

Kausal (ursächlich) 

Etwas natürlich Existierendes kann niemals aus dem Nichts oder aus sich selbst heraus entstehen, sondern es benötigt immer eine externe Ursache. Dies gilt auch für das natürliche Universum als Ganzes. Um real existieren zu können, muss das natürliche Universum bzw. dessen Urknall also ebenfalls durch irgendetwas oder irgendjemanden verursacht worden sein; hätte der Urknall keine Ursache, wäre er übernatürlich. Die erste Ursache aller natürlichen Existenz könnte man als „Gott“ bezeichnen.

Teleologisch (zweckgebunden)

Aus einem unordentlichen und ziellosen Zustand kann niemals zufällig und ohne planerischen Eingriff etwas Geordnetes und Zielgerichtetes entstehen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein ordentliches und zielgerichtetes Universum zufällig entsteht, ist sehr gering. Hier käme wieder Gott ins Spiel, als eine Art „übernatürlicher Planer“.

Beweisen lässt sich Gott damit trotzdem nicht, denn die Wahrscheinlichkeit der Nicht-Existenz Gottes mag zwar gering sein, doch sie ist nicht gleich null. Und die Tatsache, dass die Existenz Gottes logisch erscheint, bedeutet nicht, dass Gott real existieren muss.

Ist der Glaube an einen übernatürlichen Gott nun realistisch oder nicht?

Dieser Frage geht Dr. Kotulla in seinem Vortrag detailliert auf den Grund.


Dr. Thomas Kotulla

Dr. Thomas Kotulla hält regelmäßig apologetische Vorträge. Außerdem ist er freier Berater und hält Vorträge im Wirtschaftsbereich. Er studierte in Iserlohn, an der Harvard University (USA) und promovierte in Berlin in Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Viele Jahre lang lehnte Thomas Kotulla den christlichen Glauben ab. Erst während einer schweren Krankheit hat er angefangen, sich ernsthaft mit dem christlichen Glauben zu beschäftigen. Er richtet sich vor allem an Menschen, die skeptisch sind und Zweifel haben und nach Antworten auf die großen Lebensfragen suchen.