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Wenn der Zweifel an deinem Glauben nagt

Hans Peter Royer | 20. Mai 2013 | 2013 | Schlagworte: Zweifel , Sorge , Wahrheit , Montag , Seminar

Ohne große Umschweife startet Hans-Peter Royer mit dem Thema. Es geht um Zweifel und um Glauben.

Er liest zu Beginn die Worte aus dem Matthäus-Evangelium Kapitel 28, Vers 16-20:

“Aber die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte. Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten. Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.”

Der Konflikt zwischen Glaube und Zweifel ist so alt wie die Menschheit selbst, meint Hans-Peter Royer. Er selbst hat sein Leben mit Jesus festgemacht als er fünfzehn Jahre alt war. Aber über all die Jahre bis jetzt hat Gott ihm einen Reisebegleiter mitgegeben und das ist der Zweifel. Hans-Peter hat Zweifel nie als angenehm empfunden, geschweige denn sich Zweifel gewünscht. Im Gegenteil er hat ihn sich eher weggewünscht.

Warum zweifle ich?

Zu der Frage: “Warum zweifle ich?” … nennt Hans-Peter …

… unterschiedliche objektive Gründe:

Ungerechtigkeit in der Welt (Hungersnöte, sterbende Kinder, …)

Krankheiten und nicht erhörte Gebete

Hinterfragen der Bibel

Archäologie – warum findet man keine Spuren über Salomo (Gebäude, etc.) wo er doch solch eine “Bauwut” hatte?

… das Christsein an sich:

Wir Christen sagen und singen, dass Menschen in Christus eine neue Kreatur sind … wenn wir aber echt so neu sind, warum schauen wir dann oft so “alt” aus?

Wo zeigt sich Jesus uns … wenn wir uns mit ihm “verabreden” oder wenn wir ihn bitten sich uns zu zeigen? Wie beispielsweise ein Junge per Mail an HPR schrieb: “Ich hab Jesus schon so oft gebeten, dass er sich mir zeigt.”

Ist Christsein Gehirnwäsche, oder schlicht nur psychologisch zu erklären?

… unsichtbare Realitäten:

Es gibt unsichtbare Realitäten, die wir nicht beweisen können. Beispielsweise Liebe, niemand kann sie beweisen … man kann sie schlichtweg nicht “auf den Tisch legen”. Oder Hoffnung, niemand kann Hoffnung beweisen. Sinn, wie kann man Sinn beweisen? Und Gott? Man kann ihn nicht beweisen.

Seit etwa 30 Jahren wird Hans-Peter von Zweifeln begleitet. Vor drei Jahren war es einmal so schlimm, dass er Angst hatte den Glauben zu verlieren. Schlimm ist es, wenn Leute dann noch sagen, dass zweifeln Sünde ist, oder dass man zu wenig glaubt.

Es war der Judasbrief, durch den Gott Hans-Peter extrem ermutigte, und zwar durch die Verse 22, 24, und 25:

“Und erbarmt euch derer, die zweifeln; … Dem aber, (Gott) der euch vor dem Straucheln behüten kann und euch untadelig stellen kann vor das Angesicht seiner Herrlichkeit mit Freuden, dem alleinigen Gott, unserm Heiland, sei durch Jesus Christus, unsern Herrn, Ehre und Majestät und Gewalt und Macht vor aller Zeit, jetzt und in alle Ewigkeit! Amen.”

Hans-Peter hat aus den Versen im Judasbrief zwei Dinge gelernt:

Gott ist barmherzig!

Gott bewahrt im Zweifeln!

Seitdem er das gelernt hat, hat er aufgehört Angst vor dem Zweifeln zu haben.

Zu beachten gilt, dass jede Person anders ist. Einige haben keine Probleme mit Zweifeln und andere wiederum mehr. Zweifeln ist menschlich. Es ist nicht nur das Vorrecht der Gläubigen sondern auch der Ungläubigen, diese stellen sich die Frage, ob es Gott nicht vielleicht doch gibt.

“… wer der Ungewissheit des Glaubens entfliehen will, wird die Ungewissheit des Unglaubens erfahren müssen …” - Zitat von Joseph Ratzinger

Interessant ist, dass es legitimen Zweifel und “unlegitimen”, besser gesagt unehrlichen Zweifel, gibt.

Legitimer Zweifel ist, wenn ein Mensch glauben möchte, aber aus verschiedenen Gründen zweifelt und nicht glauben kann.

Dieser Mensch kann Jesus bitten: “Herr, ich will glauben aber ich kann es nicht, hilf mir bitte!”

… so wie es auch der Vater des besessenen Jungen aus Markus 9 getan hatte, der Jesus direkt um Hilfe bat mit den Worten (V.24):

“Ich glaube; hilf meinem Unglauben!”

Unlegitimer/ unehrlicher Zweifel ist, wenn ein Mensch willig ungläubig bleibt. Wenn eine Person gar nicht glauben will, dann handelt es sich um willigen Unglauben. Bei solchen Menschen kann man Reden was man will, zu Jesus einladen wie man will, auch wenn man Hundertprozent die Fragen dieser Person beantworten könnte, sie würde nicht zum Glauben kommen.

Hierzu Jakobus 1,5-8:

“Wenn es aber jemandem unter euch an Weisheit mangelt, so bitte er Gott, der jedermann gern gibt und niemanden schilt; so wird sie ihm gegeben werden. Er bitte aber im Glauben und zweifle nicht; denn wer zweifelt, der gleicht einer Meereswoge, die vom Winde getrieben und bewegt wird. Ein solcher Mensch denke nicht, dass er etwas von dem Herrn empfangen werde. Ein Zweifler ist unbeständig auf allen seinen Wegen.”

Der unehrliche Zweifler ist ein wankelmütiger Mensch mit zwei Gesichtern.

Hans-Peter hat oft gepredigt und während er am Pult stand, konnte er nicht glauben. Er sagte selbst zu sich “du bist doch ein Heuchler”, und überlegte sich mit dem Predigen aufzuhören. Allerdings kam ihm da Gott dazwischen. Wie so oft pünktlich. Als Hans-Peter in sein Büro geht sieht er ein A4-Blatt auf seinem Schreibtisch, mit verschiedenen Versen darauf. Unter anderem ein Wort von C.H. Spurgeon (hier frei wiedergegeben): “Wenn du nicht mehr an das Evangelium glauben kannst, dann geh auf die Strasse und predige es!” Das zeigte ihm, dass man im Moment des Predigens nicht “fühlbar” daran glauben muss, sondern dass es darum geht, Gottes Wort weiterzugeben, und zwar aus dem Grund, weil “die Wahrheit euch frei macht”!

Fazit von Hans-Peter: “So predige ich fröhlich, im Zweifeln und im Glauben!”

Christsein ist so, wie wenn du ein Rennen laufen musst, auch wenn du als “Hinkender” teil nimmst.

- GEH EINFACH WEITER! -

Zweifler sind Verwundete, die weitergehen müssen. Das Gute daran ist, dass sie zur Ermutigung für andere Mitlaufende dienen können.

Die Erfahrung von Hans-Peter ist, wohin er sich auch umschaut…

…. wenn Jesus nicht die Wahrheit ist, wer dann?

…. wenn Jesus nicht das Leben ist, wo gibt es das dann?

Als Jesus seine Jünger fragte: “Wollt ihr auch weggehen?” (Johannes 6,67), sagt Petrus ganz klar: “Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt: Du bist der Heilige Gottes.” (Johannes 6,68)

Was tut Hans-Peter wenn er zweifelt?

Er geht mit Gott spazieren, im Vertrauen dass es ihn gibt. Und während des Spazierengehens erzählt er ihm von allen seinen Zweifeln … warum es ihm schwerfällt zu glauben, usw. Ganz unverblümt und schlicht.

Er geht in die Berge, schaut sich die Schöpfung an. Und beim Betrachten wird er sich bewusst “es gibt einen Gott”, denn … “Seit Erschaffung der Welt haben die Menschen die Erde und den Himmel und alles gesehen, was Gott erschaffen hat, und können daran ihn, den unsichtbaren Gott, in seiner ewigen Macht und seinem göttlichen Wesen klar erkennen. …” (Römer 1,20)

Er vertraut Gott und dankt ihm für seine Zweifel, im Vertrauen darauf, dass sie nicht ohne Sinn in seinem Leben sind.

… und, Gott hat ihm immer wieder Frieden und Gewissheit geschenkt. Den Frieden, der höher ist als alle Dinge!

In diesem Sinne:

“… der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.”

(Philipper 4,7)

”Amen!

… and be blessed!” - “Lasst uns somit fröhliche Zweifler IN CHRISTUS sein!”


Hans Peter Royer

Hans Peter Royer ist in der Ramsau in Österreich aufgewachsen. Er war Automechaniker, Bergführer, Schilehrer – und Bibellehrer. Von 1991 bis zu seinem Tod im Sommer 2013 leitete er die Fackelträger-Bibelschule „Tauernhof“ in Schladming. Er sagte gern und kurz, was ihm wichtig war: „Einfach lernen ganzheitlich, authentisch als Christ mit dem Herrn Jesus zu leben – 24 Stunden am Tag, 60 Minuten die Stunde.“