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The power of true belief

Eric Metaxas | 19. Mai 2013 | 2013 | Schlagworte: Englisch , Seminar , Biografie , Nachfolge , Buch , Sonntag , Bonhoeffer , Berufung

Wie viele Teilnehmer kommen wohl zu einem englischen Vortrag ohne Übersetzung? Sehr viele, wenn der Redner Eric Metaxas heißt. Vielleicht sogar zu viele? Der Saal des Mutterhauses jedenfalls platzte aus allen Nähten und Eric Metaxas war ganz überwältigt.

Doch er erholte sich schnell von der Überraschung über den unerwarteten Zuspruch der zahlreichen Besucher und begann uns zu erzählen, warum er eine Biographie über Bonhoeffer geschrieben hat. Beeindruckt hatte ihn nämlich schon Jahre zuvor Bonhoeffers Buch “Nachfolge”. Doch über Bonhoeffers Geschichte wusste er relativ wenig. Denn auch in den USA hört man laut Metaxas viel zu wenig über Menschen wie Bonhoeffer, einfach weil sie Christen sind. Ganz besonders mag das für Bonhoeffer gelten, denn dessen familiärer Hintergrund, der von Intelligenz, Kreativität, und herausragenden Persönlichkeiten zeugt, wirkt auf Atheisten geradezu angsteinflößend, wenn sie hören, dass ausgerechnet ein Mann wie er Christ ist. Eric Metaxas jedenfalls bekam eines Tages von Gott den Auftrag, über Bonhoeffer zu schreiben und mit dieser Geschichte Gott gerade zu uns Deutschen sprechen zu lassen.

Ein paar Einblicke in Bonhoeffers faszinierende Biographie gab er dem gespannten Publikum dann: Geboren 1906 in Breslau in eine Familie mit adligen, teils prominenten Persönlichkeiten, die nahezu ausnahmlos als Genies bezeichnet werden können. Doch gerade in der Familie Bonhoeffer lernten die Kinder schnell, dass es vor allem wichtig war, seinen Verstand zu Gutem zu gebrauchen und anderen gegenüber freundlich und gütig zu sein. In behüteten, großbürgerlichen Verhältnissen wuchs Bonhoeffer auf und beschloss mit 13 Jahren, Theologie zu studieren. Diese Pläne setzte er in die Tat um, studierte in Tübingen und erhielt schon mit 21 Jahren einen Doktortitel in Theologie. Weil er damit noch zu jung war, um Pfarrer werden zu können (Mindestalter war 25) verbrachte er unter anderem ein Jahr in Barcelona. Später ging er nach New York. Dort beeindruckte ihn besonders eine afrikanische Gemeinde in Haarlem. Die Gottesdienste waren für ihn ungewohnt lebendig und fröhlich, und dass, obwohl es Schwarze in Amerika zu dieser Zeit sehr schwer hatten. 1931 kehrte Bonhoeffer zurück nach Deutschland, wo seine Freunde schnell bemerkten, dass er sich verändert hatte. Denn er lebte seinen Glauben nicht mehr nur als Theologe mit seinem Verstand, sondern auch mit dem Herzen.

Dem aufkommenden Nationalsozialismus stand Bonhoeffer von Anfang an kritisch gegenüber und sah darin eine große Gefahr. Schon drei Tage nach der sogenannten “Machtergreifung” der Nazis am 31. Januar 1933 hielt er eine Radioansprache, in der er sich gegen Hitlers “Führerprinzip wandte und eine im biblischen Sinne dienende Leiterschaft als die einzig richtige betonte. Bonhoeffer war damit so etwas wie ein Prophet, der auf die Gefahren hinwies, den aber damals niemand hören wollte. Später richtete sich Bonhoeffer gegen die “Deutschen Christen”, die sich in den Dienst des nationalsozialistischen Staates stellten, die biblische Botschaft verfälschten und vor allem judenfeindlich eingestellt waren. Bonhoeffer hatte zwischendurch erwogen, nach New York zurückzugehen und sich in Sicherheit zu bringen, doch er war noch keine Woche dort, da bekam er den Eindruck, Gott beauftrage ihn, nach Deutschland zurückzukehren. Das tat er und wurde schließlich mit Männern wie Hans von Dohnanyi in der Widerstandsbewegung aktiv, die das Attentat auf Hitler verübte. Bonhoeffer begründete sein Engagement damit, dass gerade auch die Kirche die Aufgabe hätte, sich für die Verteidigung der Unschuld einzusetzen, und dass jeder, der nur zusehe, wie der Staat aus Unrecht Recht mache, sich selbst mitschuldig mache. Ihm war klar, dass er handeln musste, auch wenn das zur Folge hatte, dass er von der Gestapo gefangen genommen wurde, ins KZ Buchenwald kam und am 9. April 1945, kurz vor Ende des Kriegs, auf ausdrücklichen Befehl Hitlers hingerichtet wurde.

Bonhoeffer war damit selbst ein lebendiges Beispiel für seinen Grundsatz, dass Glaube in Wort und Handeln übereinstimmen müssen. Er starb in einem Frieden, den nur Gott geben kann, und mit dem Bewusstsein, dass er keine Angst vor dem Tod haben muss, weil der Tod nicht das Ende ist.

In Eric Metaxas’ Vortrag wurde damit ganz deutlich, dass Bonhoeffer uns ein Vorbild sein kann. Ein Vorbild, as zeigt, dass es nicht reicht, sich nur gedanklich oder theologisch mit dem Glauben zu beschäftigen, sondern dass “true belief” – “wahrer Glaube” immer auch die Bereitschaft erfordert, zu handeln und sich gegen Unrecht zur Wehr zu setzen.


Eric Metaxas

Eric Metaxas, Journalist und Bestsellerautor aus New York