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Aber Gott war da

Ernst Vatter | 24. Mai 2010 | 2010 | Schlagworte: Biografie , Berufung , Mission , Krisen , Gebet , Zeugnis

",Wir mögen die Wahrheit nicht!' - So war's auch in meinem Leben: 'Etwas' christlich ja, aber so ganz dabei?"

Aufgewachsen ist Ernst Vatter in Reutlingen. Im Zweiten Weltkrieg wurde er für seinen Bruder gehalten und verdächtigt, als Soldat davongelaufen zu sein. So wurde er als 16-Jähriger mitgenommen als der jüngste von 2000 Soldaten. Eines Tages lag er wütend und traurig auf dem Stroh, als ein älterer Soldat zu ihm kam und ihn fragte: "Hast du Hunger?" Was für eine Frage an einem Ort, wo jeder Hunger hatte! "Du, ich geb dir ab morgen immer die Hälfte meiner Ration!" "Wie kommst du dazu?" Der Mann zog sein Neues Testament aus der Tasche und antwortete: "Jesus gibt mir die Kraft, mit dem Jüngsten von hier zu teilen." Schließlich kam der Tag, wo sie von den Amerikanern befreit wurden, jedoch darauf achten mussten, dass sie auf ihrem Rückweg nicht entdeckt wurden. Am Waldrand von Herrenberg fiel der Entschluss: "Wir gehen ins Pfarrhaus - das sind Christen, die fragen uns nicht." Bei ihrem Anblick war die Pfarrfrau geschockt, dann jedoch öffnete sie ihnen die Schuhe, wusch ihnen die Füße, cremte sie ein und bereitete ihnen ein reichhaltiges Abendessen.
Am nächsten Tag wurden sie wieder gut versorgt.

Diese beiden Begegnungen mit Christen machten seine bisherigen Vorstellungen "kaputt". Gott zeigte dadurch: "Es gibt auch noch was anderes!" Eines Tages fand in seinem Stadtteil von Reutlingen eine Evangelisation statt, die er eigentlich nicht besuchen wollte. Doch eine ältere Tante machte jeden Tag an ihm herum, bis er beschloss: "Einmal gehe ich hin, dann habe ich Ruhe." Da sie spät dran waren, mussten sie sich ganz vorne hinsetzen. Der "Prediger" war eine Frau mit Haube. Er versuchte auf Durchzug zu schalten. Doch die Schwester zeigte an einer Stelle direkt auf ihn: "Du bist ein Heuchler - du bist bei Tag anders als bei Nacht." Ernst Vatter erzählt: "Das saß - ich wollte alles sein, nur kein Heuchler. Ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen." Am nächsten Tag ging er wieder zur Evangelisation, war aber dieses Mal früher dran, damit er sich in die letzte Reihe setzen konnte. An diesem Tag wurde über das Kreuz von Golgatha gesprochen, auf eine Weise, wie er es noch nie gehört hatte. Er wusste: Wenn das so ist, gibt es nur eine vernünftige Reaktion: Diesem Herrn nachzufolgen!

In Reutlingen gab es eine christliche Buchhandlung; dort sprach ihn eines Tages die Verkäuferin an: "Ernst, du solltest nach Liebenzell gehen!" "Was ist in Liebenzell?" "Dort ist eine Mission." "Was ist eine Mission?" "Eine Institution, die junge Männer zu den Negern nach Afrika schickt - dort musst du hin!" Noch im selben Jahr, 1947, ging Ernst Vatter nach Liebenzell in die Ausbildung. Sein Traum war es, Missionar in der Südsee zu sein, doch es hieß: "Du gehst nach Japan." Auch das war in Ordnung. Es gab einen Punkt, an dem sein Vorhaben ins Stocken geriet: "Langsam", sagte man ihm, "du brauchst eine Frau. Wir senden niemanden aus, der nicht verheiratet ist, ..." So fing er an, für eine Frau zu beten und stellte 5 Bedingungen, wie diese Frau sein und was sie können sollte, die ihm Gott mit seiner Frau alle erfüllte. Sie heirateten in Japan, und auch ihre Kinder kamen alle in Japan zur Welt.

In seinem langen, 81-jährigen Leben machte Ernst Vatter so manche Erfahrungen von Bewahrung, Wiederherstellung von Krankheit und erlebte in verschiedensten Situationen das Eingreifen Gottes auf wunderbare Weise. Er lernte Gemeinde Jesu in 72 Ländern kennen und erfuhr, dass sie sich bei allen Unterschieden in einem einig waren: Jesus Christus.

Zusammenfassend gab Ernst Vatter seinen Zuhörern einen Satz mit auf den Weg, der sein bisheriges Leben treffend beschreibt: "Wer Jesus sein Leben ehrlich gibt, mit allen Fehlern und Schwächen, die wir haben, der erfährt: Gott ist treu, er lässt keinen im Stich!"

Auf Initiative des Amerikaners Ron Susek entstand das Buch "Mission ohne Grenzen" zur Lebensgeschichte Ernst Vatters, in dem diese und noch zahlreiche andere Ereignisse in ausführlicher Form erzählt sind.


Ernst Vatter

Ernst Vatter (1929-2012) war Missionar und Pfarrer. Außerdem war er ein gefragter Referent und hatte über mehrere Jahrzehnte Leitungsverantwortung bei der Liebenzeller Mission.